Dünen, Seife, Lobster – Und Oprah riecht nach Jasmin und Lavendel!

Im Little Shemoque Inn auf zu wachen ist ein Vergnügen – selbst an einem stürmischen Morgen wie heute. Das „Herbergs-Paar“ Petra und Klaus verwöhnt uns mit einem leckeren Frühstück und wir lecken unsere ersten Wunden. Mit wilden Bären und anderen kanadatypischen Spezies hätten wir es sicher locker aufgenommen – aber die kanadischen Moskitos sind wilder als jegliches Wildlife zusammen. Meine Bilanz der letzten Nacht: 7 Mückenstiche aufwärts…höllisch juckend! Wir versorgen uns mit allem was man wo auch immer hin sprayen kann… und wir sprayen! Oben, unten, seitwärts und rein in jede für Moskitos erreichbare Körperöffnung. Und es hilft…gar nichts! Dumm auch, wenn sich Spray für Haus und Hof, und das für Arme und Beine sich wie ein Ei aufs andere gleichen… und NEIN! Das ist mal ausnahmsweise nicht mir passiert!! Aber ab sofort stinkt die Gruppe in einer Duftnote vor sich hin und wir können unseren ersten Ausflug Richtung Bouctouche starten.

Hier geht es zum Irving Eco-Center. Ein Naturschutz-Center an einer Hier geht es zunächst zum Irving Eco-Center. Ein Naturschutz Center an einer riesengroßen, Kilometer weit ins Meer reichenden Düne. (Mister Irving – leider tot – gehört übrigens so ziemlich alles in Canada… selbst tanken kann man eigentlich nur bei „IRVING“). Das Wetter ist uns hold und holt die Sonne raus, und zusammen mit Eco-Center Guide Nadine machen wir uns auf, die Dünennatur zu erkunden. Magda und ich geben uns der Gräser und Muschel Kunde hin und lauschen Nadines Erzählungen über Meer, Düne, Bay, und wie alles zusammen ein großartiges und faszinierendes Eco-System ergibt, was unzähligen Spezies eine Heimat bietet.

Für das am Strand vorgesehene Picknick fehlt leider die Zeit, und so werden die liebevoll von Klaus geschmierten Stullen im Auto verzehrt auf dem Weg zur „Olivier Soaperie“ – eine kleine Seifenmacherei, in der in wochenlanger Handarbeit (28 Tage um genau zu sein) Seifen aller Art und Couleur aus reinen Naturstoffen hergestellt werden. Aber wir wären nicht in Nordamerika – und da bildet Canada keine Ausnahme – wenn nicht selbst der Herstellungsprozess von Seifen zu einem Erlebnis aufbereitet würde. Und so wartet in der Soaperie schon Natalie auf uns, um uns in die Kunst der Seifenherstellung einzuweihen (und natürlich auch, um uns den richtigen Kaufimpuls zu verpassen).
Natalie ist ein Original! Der Humor tendenziell eine Stufe unterhalb der Gürtelschnalle hat sie die Gruppe fest im Griff. Produkte werden durch die Reihen gereicht, und ganz bald riechen Magda und ich nach allem was die Soaperie zu bieten hat (Ein Festmahl für unsere Mutanten-Mücken!). Spätestens als man aber in der ersten Reihe anfängt über die Nutzen von Seife gegen Potenzstörungen zu parlieren, und Natalie sich an der Glatze meines Vordermannes zu schaffen macht, sehnen Magda und ich uns dann doch das Ende herbei. Denn Natalie hat ganze Arbeit geleistet: auch wir stürmen den Shop – logo, sind ja auch Mädels…und hier riecht einfach alles so gut!!!

Gerade beschäftige ich mich eingehend mit einem Block lecker duftender Schokoladen Seife als eine Gruppe laut schnatternder Damen im besten Alter sich auf die Seife links von mir stürzt, und ihre Anführerin laut verkündet: „This is the soap Oprah uses“! Aufgeregtes Schnattern der Ladys und sofortiger Kaufreflex der gesamten Gruppe. Ich habe die Dame anscheinend etwas zu zweifelnd angesehen, denn sie setzt belehrend in meine Richtung an mit: „That´s true my dear. Oprah put this soap on the list of her 10 most favourite things in the world!“ Ich nicke… nun ja, jetzt ist es also raus: Oprah riecht nach Jasmin und Lavendel! Ob das gegen Mücken hilft?

Unser nächster Stopp bringt uns zum „Shediac Bay“ wo wir zusammen mit einer Touristengruppe das Boot der Lobster Crossierie entern. Auf geht’s zum Hummerfang! Mir zieht sich schon beim Gedanken daran ein wenig der Magen zusammen … ich halte nicht so wirklich viel von der Theorie des fehlenden Nervensystems der lieben Kerle und blicke dem Trip und der Aussicht auf Fang, Zubereitung und Verspeisung eines dieser Meeresbewohner mit großer Skepsis entgegen. Und wäre das nicht genug, so sind Magda und ich von Anbeginn der Tour die auserkorenen Lieblings-Opfer unseres dauerfröhlichen, multilingualen Hummerfischers (er wechselt so schnell zwischen französisch und englisch dass einem ganz schwindelig wird). Wir holen Reusen ein, verbinden Scheren und sollen zu guter Letzt dem armen Ding einen Kuss aufdrücken…. neeee… spätestens als der kleine Kerl als Souvenir fürs Fotoalbum jedem Gast an Bord auf die Schulter gelegt wird trete ich in Verweigerungshaltung. In den nächsten Minuten lernen wir den korrekten Umgang mit Schale und Klauen, lassen uns zeigen wo das beste Fleisch sitzt und wie ihm bei zu kommen ist…mir ist dabei echt etwas mulmig…Magda auch….

Nach dem Mahl konfrontiere ich unseren Hummerfischer mit meinen Bedenken. Ich stelle viele Fragen – wir tauschen Meinungen aus. Er erzählt mir, dass auch er eigentlich nicht glaubt, dass Hummer keinen Schmerz verspüren. Dazu gibt es verschiedenste Theorien und er versteht, wenn ich Bedenken habe ,was den Fang und auch die spezielle Tötung der Meeresbewohner angeht. Allerdings sei er einfach mit Hummern aufgewachsen und auch der Industrie dahinter – er kenne es einfach nicht anders… Das verstehe ich… aber während wir schon wieder auf dem Heimweg gen Shemoque Inn sind, denke ich immer noch an unsere zwei Hummermodels, die auch morgen wieder in den präparierten Reusen an Bord gezogen werden, als Fotomotiv von Passagier zu Passagier gereicht werden, Küsschen bekommen, und am Ende wieder über Bord gehen. So lange, bis sie zu schwach dafür sind (zwischen 3 und 8 Wochen kann das schon gehen)…dann landen sie auf dem Brötchen unseres Hummerfischers und zwei Nachwuchsmodels übernehmen den Job… Mir tun sie leid… arme Hummer!

...wem gefällt was er liest, darf gerne teilen 🙂 - Danke!Print this page
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