Your town, my town – Kopenhagen reloaded oder „Meet the Danes“ (Part 2)

Zu zählen wie oft ich schon in Kopenhagen war wäre müßig, da ich mich garantiert verrechnen würde. Ich erinnere mich an die schönsten Tage mit den Beinen baumelnd im Hafenbecken und an die niggeligsten, stürmischsten Wochen an denen selbst Fahrrad fahren zur Herausforderung wurde. Apropos Fahrrad fahren! Auch wenn es DAS auserkorene Fortbewegungsmittel der Stadt ist, so gibt es ein paar Kleinigkeiten zu beachten.

Es geht schon los beim Fahrrad Verleih. Meist hatte ich das Glück, dass meine gebuchte AIRBNB Unterkunft das Fahrrad gleich mit zur Verfügung stellte. Aber manchmal, so wie auch in dieser Woche, habe ich mir für eine Woche einen Drahtesel beim Verleih organisiert. So steht man dort und hat die Wahl zwischen „Budget“, „Standard“ und „Luxus“. Geneigter Sparfuchs würde jetzt sofort zu „Budget“ greifen. Nicht bedenkend, dass es hier nicht um den Sattelkomfort, sondern schlicht und einfach um eine Ausführung ohne Licht und Gangschaltung geht. Yep, ohne Licht! Wohlwissend, dass radeln schon in der Dämmerung ohne Licht eine Strafe heraufbeschwört. „Standard“ so denkt man, hat dann alles was es braucht… Weit gefehlt! „Standard“ liefert eine Gangschaltung fürs Nötigste mit, ist aber ebenfalls ohne Licht. Um auf normalen, deutschen Standard zu kommen ist hier also Luxus gefragt… was natürlich ein „paar“ Kronen mehr bedeutet. Da ich nicht vorhatte in den Abend zu radeln zog ich also mit meiner „Standard“ Ausführung von dannen und ab diesem Moment ist man als Radfahrer einfach im Paradies.

Breite Radwege wohin man schaut, abgeschrägte Papierkörbe entlang des Weges damit beim Müll entsorgen in voller Fahrt auch nichts danebengeht und Leuchtstreifen auf dem Boden die dir signalisieren, ob du mit deinem Tempo die nächste Ampel noch schaffst. Wundervoll! Als Tourist sollte man allerdings bedenken, dass das Tempo auf den Radautobahnen dann doch bei weilen stattlich ist und gewissen Regeln folgt. Möchte man seine Fahrt unterbrechen so ist es unbedingt erforderlich die Hand zu heben! Ok, durch Auffahrunfälle kann man auch nette Menschen kennenlernen, aber ich würde diese Methode nicht empfehlen. Ein plötzliches Anhalten ohne Handzeichen zieht zu 90% eine Massenkarambolage mit sich. Nicht erstrebenswert. Auch ist ein „Links-Abbiegen“ mit dem Rad an einer Kreuzung nicht erlaubt. In Dänemark gilt der sogenannte „Box Turn“. Erst brav die Kreuzung überqueren bis zur rechten Ecke, von da dann gerne links hinüber auf die gewünschte Straßenseite. Auch hier winkt im schlechtesten Fall eine deftige Strafe. Aber ansonsten ist wirklich alles wunderbar 🙂 Das Radel fährt sogar in den Öffis kostenlos mit und jedes 2. Abteil ist für Drahtesel und Kinderwagen reserviert (hatte ich erwähnt, dass die Dänen auch sehr kinderlieb sind…?) Wer nur sporadisch einen fahrbaren Untersatz braucht greift einfach bei einem der Stadträder zu die an jeder Ecke zu bekommen sind und sich kinderleicht über eine App anmieten lassen. Hier wird im Minutentakt abgerechnet und man bekommt ein integriertes Navi gleich noch mitgeliefert. Radler Herz was willst du mehr?

Ich schwinge mich jedenfalls heute auf meinen neuen Freund um dem Tipp meines dänischen Freundes Jakub zu folgen. Leider gerade selbst auf reisen, aber seine persönlichen Lieblingsorte hat er mir netterweise vorher noch verraten. So bin ich also auf dem Weg nach „Frederiksberg Have“ – einer der größten Parks in Kopenhagen und mitten in Frederiksberg gelegen, ein wunderschöner Stadtteil gleich neben Vesterbro und eigentlich eine völlig eigene Stadt mitten in Kopenhagen. Nach Einwohnern nämlich die fünftgrößte.

„Frederiksberg Have“ ist ohne Frage der absolut romantischste Park den die Stadt zu bieten hat. Ich war zuvor noch nie hier und bin vollkommen überwältigt von den riesigen Wiesen, Waldstücken, kleinen Bächen und endlosen Grünflächen. Überall sitzen Menschen, picknicken, genießen, entspannen.

Ich tu es ihnen gleich und beobachte ganz nebenbei die Elefanten des Kopenhagener Zoos der sich nämlich mitten im Park befindet. Kurz bevor ich diesen traumhaften Ort wieder verlassen muss, erwartet mich hinter einer Biegung ein reich geschmückter Baum… ein mit Schnullern reich geschmückter Baum. Hier nehmen Kinder zusammen mit ihren Eltern Abschied von ihren Schnullern die sie jetzt, wo sie „groß“ sind, nicht mehr brauchen. Dazu kleine Abschiedsbriefchen durch die ich mich lese mit rührendsten Anekdoten. Ein farbenfrohes Spektakel. Ich bin gerührt. Absolut sehenswert!

Ich schwinge mich wieder auf meinen Drahtesel um mich auf die andere Seite der Stadt, nach Christianshavn zu begeben. Hier sieht alles so ein bisschen aus wie in Klein-Amsterdam was unweigerlich an der ehemaligen Besetzung liegt. Kleine Grachten, viele Hausboote und mittendrin, direkt am Wasser, der Kopenhagen Street Food Market. Wann immer ich in den Sommermonaten hier bin, lege ich hier eine Pause ein. Unzählige Stände im Inneren einer großen Halle laden zum schlemmen ein. Einmal entschieden schnell einen Liegestuhl am Wasser sichern mit wunderbarem Blick auf Nyhavn und die Oper am anderen Ufer.

Gleich nebenan befindet sich das „Copenhagen Museum of Contemporay Art“ und Yoko Ono hat sich mit einem Wald aus Wunschbäumen gleich vor der Haustür ausgebreitet. Ich schnappe mir also einen Zettel, verewige einen besonderen Wunsch und hänge ihn zu all den anderen die schon im Wind flattern. Now it is up to the wind…

Wieder rauf aufs Rad und quer durch die Stadt zu einer meiner absoluten Food-Lieblings-Locations, „Torvehallerne“! Das ich eh für jegliche kulinarische Herausforderung zu begeistern bin dürfte mittlerweile klar sein, aber diese 2 Food-Hallen sind einfach das Paradies. Hier kann man stöbern, schmecken, probieren, dinieren oder einfach nur schauen. Denn machen wir uns nichts vor… Kopenhagen ist teuer.

Hier treffe ich Christian. Und somit den wohl besten Sushi-Koch der Stadt. Kennengelernt haben wir uns vor ein paar Jahren in den österreichischen Bergen. So viel zum Thema, dass Reisen einfach die beste Möglichkeit ist tolle Menschen kennenzulernen. Ich war so von seinem Sushi begeistert, dass ich kurz danach in Kopenhagen in seinem Restaurant „Sushi Lovers“ stand. Eines davon ist in „Torvehallerne“ wo er schon mit einige Stärkungshäppchen auf mich wartet. Aber unser Ziel soll ein anderes sein…. Dazu mehr in Teil 3 🙂

deine nova

 

...wem gefällt was er liest, darf gerne teilen 🙂 - Danke!Print this pagePin on PinterestShare on FacebookShare on Google+Tweet about this on Twitter

Published by

3 thoughts on “Your town, my town – Kopenhagen reloaded oder „Meet the Danes“ (Part 2)

  1. Hallo Nova…habe deinen Bericht wieder mit Freude verfolgt. Deine Worte erzeugen immer sofort ein visuelles Bild…Thema radeln…nach dem was ich hier lese sind die Dänen im Ausbau von Radwegen viel-viel weiter als wir in Deutschland. Auch die Verständigung per Handzeichen unter den Bikern gefällt mir…bei uns glaube ich so einfach auch nicht zu schaffen…bislang war mir eigentlich nicht bewusst, das die Dänen auch eine Radler-Nation sind…eigentlich denkt man immer an die Niederländer. – Über Restaurants und Parks habe ich schon öfter anderswo gelesen ( zb. Stern ) Eine Frage noch Nova…als Fußball-Fan weiß ich wohl, das Bröndby IF ein dänischer Fußball-Club ist…aber ist Bröndby auch ein Ortsteil von Kopenhagen?…LG aus Du Klaus

    1. Dänemark ist eine absolute Radler Nation – und Kopenhagen die Rad-Hauptstadt. Es ist echt ein Vergnügen dort zu fahren 🙂 Deine Frage mit Bröndby kann ich dir leider nicht beantworten.. zumindest ist es kein Stadtteil der mir bekannt ist…

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.