Support the Girls!… Feminismus 2.0 ??

Es gibt in meinem Leben im Moment wirklich nur recht rar gesähte Ruhezeiten. Diese Momente in denen man einfach nur da sitzt und nichts tut.. die Decke anstarrt, oder ganz entspannt in Zeitungen blättert. Wenn ich ehrlich bin ist das zum Großteil natürlich selbst gewähltes Schicksal. Niemand zwingt mich. Aber irgendwie macht mich vor allem der heran rollenden Frühling gerade echt hibbelig. So viel vor, so viel zu tun. Um es auf den Punkt zu bringen: mich muss man zur Zeit regelrecht stilllegen damit ich mal innehalte.

Nun gibt es aber Situationen in denen du auf Gedeih und Verderb festgenagelt bist an einem Ort – keine Chance auf Entrinnen. Denken wir nur mal an eine ausgiebige Pediküre. Ich sitze also gerade hier und habe den aktuellsten Blätterwald vor mir. Und irgendwie sind alle gerade auf „Frauenpower“ gebügelt. Tipps wie man „tough durchs Leben geht“, wie man „sich nicht die Butter vom Brot nehmen“ lässt, „besser verhandelt“, „im Bett bekommt was man will“ und sich endlich mal nur für „sich“ anzieht und nicht für sein männliches Gegenüber. Dazu T-Shirt´s mit launigen Sprüchen wie „Live your female spirit“ oder „I want to marry a feminist“ auf jeder zweiten Seite.

Ganz global scheinen einfach alle gerade das Thema Girlpower für sich entdeckt zu haben. Ob DIOR, Dorothee Schumacher oder mein kleiner Lieblings-Krämerladen. Schon die Kaffeetasse am frühen Morgen erzählt mir „Girls go everywhere“. Ich frage mich nur, brauche ich all diese „Girlpower“ Bestätigungen wohin auch immer ich schaue? Sollten wir nicht längst ein Selbstverständnis dafür haben dass wir „genauso gut“, „genauso stark“ und „genauso fehlbar“ sind wie unser männliches Pendant? Zumal sich da noch ganz andere Abgründe auftun wie ich bei einer launigen und in Teilen hitzigen Diskussion gestern Abend feststellen durfte. Männer in unserer Runde die ihrer extremen Verwirrung Ausdruck verliehen, ihre neue Rolle in unserer Gesellschaft zu finden. In einer Zeit in der wir Mädels nicht mehr nur den Ernährer suchen und den großen Beschützer, sondern Partner auf Augenhöhe. Zeiten in denen wir uns selbst im Baumarkt zurecht finden, unser eigenes Geld verdienen und damit – so musste ich lernen – viele der Jungs in eine echt schwierige Situation bringen. Die sich fragen „wo werde ich eigentlich noch gebraucht und wofür“? Aber dieser Topf ist zu groß um ihn jetzt an dieser Stelle komplett zu öffnen. Aber wir lieben euch Jungs! Und wir brauchen euch, keine Angst. So viel dazu in diesem Moment 😉

Entschuldigung.. es mag daran liegen dass ich mit 3 Brüdern aufgewachsen bin. Vielleicht habe ich aber auch nur ganz persönlich ein Problem mit dem Wort „Feminismus“. Irgendwie erinnert mich das an eine Zeit in der wir Mädels so sehr auf Krawall gebürstet waren (zu recht, definitiv), dass der Kampf um mehr Rechte oft etwas Verbissenes hatte. An eine Zeit, in der es hieß wir müssen uns den Männern gleich machen. Gleich machen, anstelle dafür einzustehen, als Frauen mit den Stärken einer Frau für uns zu kämpfen. Ohne gleich einen Hosenanzug tragen zu müssen um ernst genommen zu werden. Ja, vielleicht habe ich mit dem Wort deshalb einfach ein wenig Bauchschmerzen. Auch wenn wir heute viel weiter sind und sich die coolsten Frauen weltweit als Feministinnen bezeichen ohne dabei auch nur ein Mü ihrer Sexiness und Coolness einzubüßen. Ja, da muss ich mich wohl etwas frei machen. Und wenn Feministin sein heisst dafür einzustehen dass wir alle die selben Rechte haben, für die selbe Arbeit das selbe Geld bekommen (auch in meiner Branche noch nicht die Regel) und die selben Chancen im Leben haben, ja, dann bin ich definitiv auch eine Feministin.

Aber sind wir immer noch in der darauf angewiesen, dass wir uns von außen immer wieder versichern lassen müssen dass wir „genauso gut“, „genauso smart“ und „genauso selbstständig“ sind? Hallo!! I got news: We are! All das und noch viel mehr. Und ganz ehrlich, die Mehrheit der Mädels zieht sich zum Glück schon heute nur für sich an. Würden wir das nämlich nicht tun, gäbe es in unseren Schränken weder Onesies, Blockabsätze, Micky Maus Pyjamas oder Ballerinas. Ich erinnere mich hier an einen spontanen Liebeskauf eines Paares schwarzer Ballerinas mit Schleife.. mein Freund im Schlepptau der lauthals protestierte wie unsexy diese ausehen würden. Ich möchte an dieser Stelle nur kurz anmerken, die Schuhe habe ich immer noch.. und liebe sie 😉

Zum Glück glaube ich fest daran dass wir Mädels eigentlich schon viel weiter sind als so manches Magazin uns weiss machen möchten. Wir wissen was wir wollen, wir glauben an uns und wir nehmen uns was wir wollen. Denn Jungs, ehrlich, wenn ihr am Wochenende stolz ein weibliches Wesen am Ort eurer Wahl aufgerissen habt und ihr im Kopf schon überlegt wie ihr diese grandiose Erfolgsgeschichte euren Kumpels verkauft.. wenn sie beim „entpacken“ passende Unterwäsche trug, hat SIE euch aufgerissen, just saying 🙂

aufs Leben, deine Nova

PS: Bei all dem launig vepackten Feminismus, den wir uns allein schon aufgrund unserer priviligierten Lage hier in Deutschland gönnen können, dürfen wir eines nicht vergessen. Natürlich gibt es in vielen Teilen der Welt keine Chance für Frauen „ihr Ding“ zu machen. Viel schlimmer noch. Es scheitert schon an den fundamentalsten Menschenrechten die Frauen und Mädchen in vielen Teilen der Welt nicht zugestanden werden. Grundrechte, die wir für völlig selbstverständlich halten. Deshalb an dieser Stelle der Link zur Kollektion von Dorothee Schumacher. Die nicht nur dafür sorgt, dass wir Mädels uns auch in den schönsten Kleidern in der Chefetage wohl fühlen, sondern mit ihrer „Support the Girls!“ Kollektion die feministische Frauenrechts- und Hilfsorganisation Medica Mondiale e.V. unterstützt. Als Zeichen der Solidarität mit allen Frauen auf der Welt. Gute Sache!

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17 thoughts on “Support the Girls!… Feminismus 2.0 ??

  1. Sehr lustig und irgendwie symptomatisch, alle Kommentare hier, welche sich auf den Inhalt beziehen, sind bisher von Männern. Die Kritik an der Form kommt von einer Frau.
    Meiner Meinung nach spiegelt das ganz gut die Notwendigkeit vom Verbreiten aller möglichen Feminismusparolen, seien sie auch zum Teil modebedingt, plakativ und konsumorientiert wider. Support the girls – wir können es nicht oft genug sagen, lesen, hören!

    1. Liebe Franziska, ich danke dir für deinen Beitrag. Ja, schon schade oder? Ich freue mich aber sehr, dass auch die männlichen Leser hier sich nicht abgeschreckt fühlen vom Thema und ihre Sicht der Dinge schildern. Das ist sehr bereichernd. Aber deine Beobachtung bestärkt auch mich darin, weiter – angefangen in meinem Umfeld – dafür zu kämpfen, dass wir Mädels mehr zusammenhalten. Miteinander und nicht Gegeneinander! Denn nur zusammen sind wir stark. Von daher, ja, Support the Girls! lg nova

  2. Feminismus halte ich weiterhin für wichtig! Natürlich muss er sich weiterentwickeln und darf sich nicht an Problemen aufreiben, die nur noch in der Erinnerung kleben. Blick nach vorne, da sind noch genug Probleme zu sehen…
    Feminismus in der Beziehung? Also! Entweder es passt oder es passt nicht. Mann oder Frau muss sich halt klar darüber sein, was er-sie-es will und das mit der Realität abgleichen. Wenn das Gegenüber andere Vorstellungen hat, es kaum Gemeinsamkeiten und Ergänzungen gibt und er-sie-es sich die Realität schön träumt, dann ist die Katastrophe doch vorprogrammiert.
    Das Leben ist keine Probe. Es gibt nur eine Aufführung und für den Erfolg ist jeder selbst verantwortlich.

    1. Lieber Martin, ja, du hast recht, eine Probe haben wir nicht. Trotzdem ist das Leben in all seinen Formen und vorallem was die Rollenverteilung angeht seit Jahren im steten Wandel. Und ich fand es ganz spannend zu hören, welche Probleme dass für einige Männer aufwirft. Was nicht ubedingt gekoppelt ist an gegenseitige Erwartungen, sondern auch viel an das Rollenverständnis der Gesellschaft und die Erwartungen an „den neuen Mann“. Von daher Blick nach Vorne in allen Belangen, und vielleicht auch öfter mal ein Blick rechts und links um zu schauen, dass keiner auf der Strecke bleibt. lg nova

  3. Hallo Nova…Partnerschaften können doch nur Bestand haben, wenn beide ein gesundes Selbstvertrauen und einen guten Charakter haben, auch oder gerade weil man nicht auf Augenhöhe ist…zsb. sie Promi..er nicht..er Reich…sie nicht. Partnerschaften zerstören sich meist von innen (wie Organisationen-Parteien usw.) weil man internes nach außen trägt, gute Freundin…guter Freund, die es dann ausweiden. Ich denke außerdem das sich die meisten Frauen ihrer Weiblichkeit bewusst sind…oder? LG Klaus

    1. Das ist genau die Frage Klaus. Ich glaube hier geht es eher um die Verwirrtheit beider Seiten – die sich leider nicht wegdiskutieren lässt. Einerseits die Frauen die noch immer das Gefühl haben nicht gleichgestellt zu sein mit dem männlichen Geschlecht. (was definitiv in vielerlei Hinsicht stimmt wie zb gleiche Bezahlung bei gleicher Arbeit) – und die Männer, die mit dem Wegfall der ganz klassischen zugeteilten Rolle ein Problem haben. Die sich erst wieder finden müssen. Ich finde es hier einfach spannend beide Seiten zu hören. lg nova

  4. Immer mal wieder gibt es diese Wellen. Ich stelle mir die selbe Frage wie Du: Braucht man das noch? Ja, denke ich, irgendwie brauchen wir das noch, solange Frauen im Durchschnitt bei gleicher Qualifikation weniger als Männer verdienen. Und, so möchte man hinzufügen, eigentlich müssten sie sogar mehr verdienen, denn wenn schon Unterwäsche für Frauen mehr kostet als für Männer, wäre es nur fair. Andererseits sehe ich, dass diese Wellen provoziert sind, um der Feminismusindustrie zu ein wenig mehr Umsatz zu verhelfen. Insofern ist das auch fragwürdig und hat mit Feminismus wenig zu tun. Angst macht mir, wenn Frauen auf einer Feminismusdemo ‚Allahu Akbar‘ rufen und glauben, dass das Feminismus sei.

    1. Lieber Daniel, hab Dank für deine Gedanken. Und ich mag deinen Ansatz dass wir Mädels bei unseren erhöhten Ausgaben (die sich nicht leugnen lassen) eigentlich ja sogar mehr auf dem Konto haben sollten als die Jungs, die den selben Job wie wir machen. Wir beide wissen dass auch unsere Branche noch weit davon entfernt ist. Ich stelle mir halt genau wie du die Frage ob es hilft den eigentlich richtigen Gedanken so zum Trend zu machen, dass das Anliegen dahinter eigentlich verwässert wird. Vielleicht ist es wichtig so Flagge zu zeigen. Ich bin unschlüssig. Genauso wie mit dem Begriff des „Feminismus“ ansich. Ihm haftet leider ja noch immer ein Beigeschmack an von Verbissenheit und Haare auf den Zähnen. Womit man der Mehrheit der Frauen die sich Feministinnen nennen sicher sehr unrecht tut. Hier muss ich einfach glaube ich meinen Frieden mit einem Begriff finden, den ich aufgrund von Ereignissen meiner Vergangenheit noch anders besetze. Ich arbeite daran 🙂 lg nova

    1. Danke für deinen inhaltlichen Diskussionsbeitrag 😉 Ich schreibe sicher oft wie die Gedanken fliegen. Oft auch nicht so, wie es vielleicht korrekter wäre oder Regeln es vorgeben. Aber dazu stehe ich, denn es ist bewusst gewählt. Aber wenn 3 unterschiedliche Rechtschreibprogramme nichts finden vor der VÖ (worauf ich allerdings großen Wert lege), kann es nicht so schlimm sein. Sollte ich aber etwas übersehen haben, so tut es mir leid. Es grüßt nova

  5. Ja, immer dieses tough sein geht mir schon ganz schön auf die Nerven. Ich bin schon lange der Meinung, dass wir nicht kämpfen sondern wieder lernen sollten, weich zu werden. Weich für unsere eigenen Gefühle und unsere Intuition. Ich habe als Mann nämlich auch den Kontakt zu meinem Innersten, meinen Gefühlen verloren, um ihn nun nach langer, harter Arbeit wieder zu finden. Das nenne ich das zu lassen meiner weiblichen Anteile, wie Mitgefühl anderen aber auch (Mit-)Gefühl mir gegenüber. Und ich habe das leise Gefühl, dass es Frauen neben den ganzen Kampfparolen des Feminismus auch immer schwerer fällt (fiel) ihre Natürlichkeit und Weiblichkeit zu leben und sie in Einklang mit ihren inneren männlichen Anteilen zu bringen. Und Macht und Kampf sind für mich definitiv männliche Energien. Das ist mir halt in unserer Gesellschaft zu viel vorhanden (siehe Anfangssatz) und darunter leiden wohl alle, Jungens wie Mädels….to be continued.. LG Axel

    1. Lieben Dank für deinen Beitrag! Ja, ein Gleichgewicht wäre definitiv für beide Seiten erstrebenswert – und mehr Leichtigkeit so oder so in allen Bereichen des Lebens. Auf dass wir es versuchen! lg Nova

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