Young Hollywood auf dem Weg zur Selbstdemontage?

Mit meinem Schock stand ich heute morgen sicherlich nicht alleine da, als über die weltweiten Newsticker der Tod von Hollywoodschauspieler Heath Ledger verbreitet wurde. Er war der Ritter aus Leidenschaft, der sensible Sohn in Monsters Ball und erlangte Weltruhm mit dem Drama mit Brokeback Mountain. Erst im Jahr 2005 ist er Vater einer Tochter, Mathilda, geworden, bevor er sich im letzten Sommer von seiner Lebenspartnerin Schauspielerin Michelle Williams trennte. Beide hatten sich bei den Dreharbeiten zu Brokeback Mountain kennen und lieben gelernt.

Gestern Abend fand man ihn in Gesellschaft zahlreicher Tabletten in seinem New Yorker Appartment…jede Hilfe kam leider zu spät. Auch wenn zu diesem Zeitpunkt über Todesursache und Umstände noch spekuliert wird, so bleibt doch schon jetzt ein bitterer Beigeschmack…zu viele Nachrichten der letzten Wochen und Monate ähneln diesem Szenario nur all zu sehr. So ganz vermochte der 28jährige Australier nie zu Hollywood zu passen – zu kantig, unangepasst und rebellisch. Auf der Berlinale 2006 hatte ich das große Glück ihn zu einem Interview zu treffen und machte die Bekanntschaft mit einem feinsinnigen, humorvollen und sensiblen Ausnahmetalent. Nicht glatt und angepasst genug für die Hollywood Maschinerie und den Paparazzi Wahnsinn der in seiner Wahlheimat L.A. den Tag bestimmt. Eine charismatischer Kopf mit Tiefe und Anspruch – vielleicht zu viel um dem Druck auf Dauer stand zu halten? Es wird 1 Million Geschichten und Theorien in den nächsten Tagen geben die nach Erklärung suchen, aber falls sich die Theorie des Freitods durch eine Überdosis Schlaftabletten bestätigt, so wäre er leider nur der jüngste Fall einer langen Reihe.

Schon in meiner Jugend erschütterten die Schlagzeilen des Drogentodes eines River Phoenix – zu diesem Zeitpunkt gefeiert als der neue James Dean (welch Parallele), auf dem zu dieser Zeit große Erwartungen lagen. Über die Jahre folgten zahlreiche Drogenabstürze von Kinderstars wie Macaulay Culkin oder Haley Joel Osmont (einer der jüngsten Oscar Nominees aller Zeiten). Und oft war es einfach nur eine sehr knappe Kiste wie bei Keanu Reeves oder auch Colin Farell. Im letzten Jahr erschütterten Schlagzeilen vom Selbstmordversuch Owen Wilsons den Blätterwald, und erst vor zwei Wochen starb der der US Kinderstar Brad Renfro – Als 12jähriger Hauptdarsteller des 90er Jahre Michael Crichton Blockbusters „Der Klient“ – an einer Überdosis im Alter von nur 25 Jahren.

Hollywood ist ein Haifischbecken in dem es ausschließlich um den nächsten Erfolg, den nächsten Clou, die nächste Schlagzeile geht. Du bist so gut wie dein letztes Einspielergebnis – ein Druck, der gerade von den jungen Darstellern und Darstellerinnen oft nur mit Drogen ertragen werden kann. Heute der Star, morgen abgeschrieben – ein Auf und Ab welches an die Substanz geht…nichts für sensible Charaktere. Aber während wir wahrscheinlich bei der Schlagzeile „Lindsay Lohan tödlicher Unfall unter Drogeneinfluss“ oder „Britney Spears, Überdosis Schlaftabletten“ aufgrund der monatelangen Vorgeschichte nicht wirklich überrascht wären, so sitzt der Schock über den Tod von Heath Ledger tiefer.

Zu sehr hat er als Schauspieler berührt, zu „normal“ wirkte er im Haifischbecken Hollywood. Im nächsten Batman werden wir ihn als Joker auf der Leinwand bewundern können – ein letztes Mal …mit sehr gemischten Gefühlen.

In Erinnerung an einen großen, berührenden Schauspieler…

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