Von Filmen, Bären und dem alltäglichen Berlinale Wahnsinn

Es ist geschafft: Die Berlinale 2007 hat Berlin überrollt und unbeschadet zurückgelassen. Die letzten Gläser sind geleert, die Bären vergeben und unzählige Festival-Gäste werden in den nächsten Tagen damit beschäftigt sein, den enormen Schlafmangel irgendwie wieder raus zu holen. Und die glamouröse Bärenverleihung am Wochenende hat wieder einmal bewiesen, dass deutsche Schauspielkunst international locker mithalten kann – nach Moritz Bleibtreu, Jürgen Vogel und Sandra Hüller im letzten Jahr, durften in diesem Jahr Nina Hoss als beste Darstellerin für ihre Hauptrolle im Festival Beitrag „Yella“ und Martina Gedeck für hervorragende künstlerische Leistung, jeweils einen silbernen Bären in Empfang nehmen. Martina Gedeck nahm den Bären stellvertretend für ein gesamtes Schauspielerensemble von „Der gute Hirte“ rund um Regisseur Robert de Niro entgegen. Dass der goldene Bär an einen absoluten Outsider – den chinesischen Beitrag „Tuyas Ehe“ ging, ist schon fast Berlinale Tradition. Fast immer ist der goldene Bär ein absoluter Überraschungssieger mit dem mal wieder keiner gerechnet hat. Aber für Regisseur Wang Quanan konnte es keinen besseren Startschuss ins neue (chinesische) Jahr geben – das Jahr des goldenen Schweines! Für die Chinesen DAS Glücksjahr schlechthin!

Ich ziehe in jedem Fall den Hut vor der Festival-Jury! 10 Tage unzählige Filme, kaum Sonnenlicht (man sitzt ja von früh bis spät im Kino) und dabei immer noch einen klaren Kopf bewahren. Jury-Mitglieder entwickeln sich von daher während eines Filmfestivals unweigerlich zu regelrechten Nachtschattengewächsen – die man dann zu später Stunde mit „der Verflossenen“ im Arm den noblen China Club des Adlons verlassen sieht. So geschehen bei Jury-Schnuckelchen Gael Garcia Bernal (mit „Babel“ auch im Oscar-Rennen) mit Ex-Freundin Natalie Portman im Arm. Ein sehr süßes Pärchen – bitte wieder vereinen!

Überhaupt erregte das Geschehen Abseits der Kinosäle oft mehr Aufmerksamkeit als die Filme selbst. Da wurde diskutiert über zu tiefe Ausschnitte diverser Damen, neue Begleiter, eine On-Off-Produzenten/Schauspielerin Liaison aus der nach 5 Tagen widersprüchlicher Berichterstattung überhaupt keiner mehr schlau wurde und über viele andere kleine Nichtigkeiten die aber zu Zeiten der Berlinale extrem an Gewicht gewinnen.

Auch ein Thema – ganz klar – die Gästeschar aus Hollywood! Das George Clooney es nicht nach Berlin geschafft hat ist definitiv ein Verlust…aber dafür sind ja „Brangelina“ sozusagen schon „echte Berliner“ – das gleicht sich dann wieder aus. Aber die Starpower reichte trotzdem aus, um sämtliche Berliner-Luxusherbergen bis oben hin zu füllen: Richard Gere, Sharon Stone, Diane Krüger (unzertrennlich mit Freund Joshua Jackson), Jeff Goldblum, Willem Dafoe, Jennifer Lopez. Marc Anthony, Clint Eastwood, Catherine Deneuve und viele, viele mehr.

Grazil und eine absolute Erscheinung war wie immer Cate Blanchett. Gleich mit 2 Filmen im Gepäck kam sie nach Berlin. Und während „The Good German“ im Wettbewerb antrat, ist sie für ihre Leistung im außer Konkurrenz gelaufenen Beitrag „Tagebuch eines Skandals“ sogar für den Oscar nominiert – ebenso wie ihre Filmpartnerin Dame Judi Dench. Beide mit einem unschlagbaren Humor gesegnet, schafften es im Team mit Festivalleiter Dieter Kosslik die Premiere des Films in ein höchst amüsantes Gesamterlebnis zu verwandeln.

Zu Tränen rührte mich die Darstellung von Marion Cotillard im Berlinale-Eröffnungsfilm „La Vie en rose“, und Marianne Faithful in ihrem Film „Irina Palm“ ( war mein Bären-Favorit) – Zwei absolute „Must-Sees“!!! Karl Lagerfeld stellte seinen Film „Lagerfeld Confidential“ vor, und war somit Anlass und Auslöser für eine weitere Berlinale-Erscheinung mit der zwar keiner gerechnet hat, die aber binnen Sekunden alle verzauberte: Charlotte Casiraghi. Unglaublich wie viel Schönheit, Eleganz und Erotik von einem 21jährigen Mädchen verkörpert werden kann. Aber grundsätzlich galt: Wer in den letzten Tagen offenen Auges durch Berlin ging, bekam Stars satt. Und nirgendwo gibt es diese Mischung. Da sitzt Robert de Niro mit Matt Damon bei lecker italienischem Essen im Bocca die Baccio – am Nachbartisch Scooter Frontman HP Baxxter mit Ehefrau. Und das Borchardts macht zu Festivalzeiten schon gar nicht mehr zu: Ob Veronika Ferres, Moritz Bleibtreu, Kati Witt, Helmut Dietl, Jasmin Tabatabai oder Barbara Schöneberger – wenn man jemanden sucht – hier findet man ihn.

Ach ja: Barbara! Wohin man in diesem Jahr auch kam: Babs war schon da J Ganz Berlin war regelrecht tapeziert mit der Werbung eines Internet Anbieters starring Barbara – aufgrund dessen sich eine Boulevard Zeitung zum lustigen Wortspiel „Babsinale“ hinreißen ließ. Nach kreativen Wortfindungen der letzten Jahre wie z.B. „Berlinackte“ (bezogen auf das stets unbekleidete Jury –Mitglied Bai Ling – übrigens in diesem Jahr auch wieder in Berlin, um eine Fotoausstellung zu eröffnen mit unbekleideten Selbstbildnissen), ein sehr charmantes Schlagwort. Babs war einfach groß!

Alles andere als groß waren und sind die Augen der unzähligen Journalisten die jedes Jahr aufs Neue anrücken um vom Festival, oder darüber zu berichten. Eine eingeschworene Gemeinschaft die man unschwer an der Berlinale Einheitskluft erkennt. Parka, Turnschuh (weite Wege), Starbucks Kaffee (Koffein ist überlebensnotwendig) und Augenringe (jeden Tag etwas tiefer). Morgens um 9:00 Uhr, wenn die ersten Pressevorführungen beginnen schluffen sie müde über den Potsdamer Platz um ihren Platz im Kino zu finden…dann mittags den nächsten…dann Pressekonferenzen…noch ein Film…eventuell Interviews… die letzte Pressevorführung beginnt um 22:30 Uhr. Mein Rekord der letzten zwei Jahre liegt bei 3-4 Tagen täglich… ein Genuss – und doch braucht man danach erstmal eine Woche Kinoabstinenz. Die kann ich mir ja jetzt nehmen, denn die nächste lange Nacht steht uns am 25.2. bevor wenn es um den Oscar geht. Also noch mal vorschlafen, alle Wetten einreichen und auf ein Neues!

 

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