Machtwechsel im Web?

Neu ist die Diskussion rund um Web 2.0 seine Vor- und Nachteile sicherlich nicht. Aber mit der fortschreitenden Entwicklung des Internets und seinen Möglichkeiten rückt sie doch gerade im Moment wieder sehr in den Focus der Öffentlichkeit. In meinen persönlichen Focus rückt sie in diesen Tagen verbunden mit der Aufgabe, das Zukunftsforum in Hannover zu moderieren, auf dem fleißig über die Machtverschiebung im Internet diskutiert und referiert werden wird. Und ich bin mir sicher, dass es bei der Podiumsdiskussion hoch her gehen wird wenn Blog Ikone und adical.de Geschäftsführer Sascha Lobo, Andreas Arntzen (Geschäftsführer Verlagshaus Madsack), Stefan Behrend (Senior Vice President PSN Development/Partnering T-Mobile) und Cisco Germany Head of Marketing Torsten Muth aufeinander treffen.

So streife ich seit ein paar Tagen durchs Netz, durchwühle die unterschiedlichsten Webplattformen von unzähligen Blogs, über Wikipedia bis hin zu Plattformen wie Innocentive, wo Firmen biochemische Problemstellungen veröffentlichen für deren Lösung es bis zu 100.000 Dollar gibt, und treffe auf die unterschiedlichsten Meinungen und Ansichten.

Zunächst einmal: Was ist eigentlich Web.2.0? Oft gehört und doch meist nicht so richtig verstanden. Schaut man auf die Grundaussage von z.B. Tim O`Reilly, so bedeutet Web 2.0 schlicht und (sehr) vereinfacht, ein intelligentes Web unter der Beteiligung jedes Einzelnen. Jeder User kann sein Wissen, seine Ideen und seine Web-Anwendungen mit einbringen und sie mit anderen Usern teilen. Im Grunde eine Sammlung aus gemeinschaftlichem, gesammelten Wissen, der Kommunikation untereinander und der Vernetzung des Ganzen. Das ganze noch verlinkt und miteinander vernetzt ergibt Web 2.0.

Die User machen sich ihr Internet sozusagen selber. Während man bis vor einigen Jahren auf den redaktionellen Inhalt von kommerziellen Anbietern und Publikationen zurückgreifen musste, dürfen Plattformen wie „My Space“ sich über 100 Millionen registrierte Mitglieder freuen und auch „you tube“ darf sich täglich über 100 Millionen Zugriffe und 60.000 neu hochgeladene Videos freuen. Noch extremer geht es in der Blogosphäre zu: Über 50 Millionen Weblogs gibt es weltweit (Stand 08/2006) und die Blogosphäre verdoppelt sich alle 6 Monate – täglich werden ca. 1,2 Millionen Blog-Einträge verfasst – Anzahl steigend. Und so ist es auch gar nicht verwunderlich, dass das TIME Magazin im Jahr 2006 „YOU“ – also den User selbst – zur Person des Jahres ernannt hat.

Diese Entwicklung ist auf der einen Seite natürlich überaus spannend – noch nie hat man mit so geringem Aufwand eine so große Öffentlichkeit erreichen können. Aber alles hat seine zwei Seiten – oder wie der Computerwissenschaftler Jaron Lanier es formulierte „Das Problem ist, wie wichtig und ernst Wikipedia bereits nach kurzer Zeit genommen wurde. Das ist der Beleg für den Siegeszug eines Online-Kollektivismus, der nichts anderes bedeutet, als die Wiederauferstehung der Idee, dass das Kollektiv über eine allwissende Weisheit verfügt, die man zentral bündeln und lenken muss.[…] Wenn die extreme Rechte oder die extreme Linke in der Vergangenheit versucht hat, uns diese Idee aufzuzwingen, hatte das jedes Mal grausame Konsequenzen. Dass uns heute prominente Technologen und Futuristen diese Idee nahe bringen wollen, macht sie nicht ungefährlicher.“

So oder so – die Wirtschaft ist auf der Hut und versucht den Anschluss nicht zu verpassen. Denn Werbebotschaften haben schon jetzt das klare Nachsehen im Vergleich zu Empfehlungen die über Blogs und Communities geäußert werden. Das legendärste Beispiel ist sicherlich der „Schlämmer Blog“. Über 3 Millionen Mal wurden die Videos in denen sich Horst Schlämmer abmüht den Führerschein zu machen heruntergeladen. Die Fangemeinde wuchs täglich – und erst nach vielen Wochen und der bestandenen Führerscheinprüfung von Horst kam heraus, dass ein großer Autohersteller hinter all dem steckte – den Horst hat jetzt nicht nur „Rücken“ sondern auch „Golf“. Definitiv die erste erfolgreiche und reichweitenstarke Kommunikationsmaßnahme einer großen Marke im deutschen Web 2.0. Ob jetzt 3 Millionen Schlämmer Gucker ein neues Auto kaufen sei dahingestellt (ich bezweifele es), aber die Aktion war und ist definitiv ein gutes Beispiel dafür wie man versucht seitens der Wirtschaft die Entwicklung des Netzes für sich zu nutzen.

Wie es weitergehen könnte im WWW zeigt dieser Film – wenn auch in düsteren Bildern.

Und? Was denken Sie? Wer hat im Netz das Sagen?? Wo liegen die Vor und Nachteil? Wo die Risiken? Genießen Sie die „Neue Macht“ (als Mit-Blogger auch auf dieser Seite haben sie die ja definitiv!)

 

 

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