Always Daddys Girl… Depression – Lets talk!

Den Anfang heute zu finden ist einfach und schwer zu gleich. Einfach, weil es so viele Gedanken gibt die meinen Kopf fluten… schwer, weil es fast unmöglich ist sie zu Papier zu bringen. Und viele davon sollten und müssen auch einfach bei mir bleiben. Daran lässt sich nicht rütteln. Und diese anderen, freieren Gedanken, sollten auch eigentlich erst am Sonntag ihren Weg aufs Papier finden. Denn am Sonntag vor genau 6 Jahren hast du, Papa, dich entschlossen deinem langen Leidensweg ein Ende zu setzen. Aus eigenem Willen, gegen unseren.

Doch der heutige Weltgesundheitstag 2017 steht unter der Überschrift „Depression – Let´s talk“! Und so versuche ich schon heute ein paar Gedanken einzufangen um vielleicht genau das bei dir, der du dieses liest, zu erreichen: Dass du keine Angst hast darüber zu reden.

Studien belegen, dass zwischen 11% und 15% der Bevölkerung in ihrem Leben an einer Depression erkranken werden. Allein in Deutschland sterben jedes Jahr 10.000 Menschen an Suizid, 600 davon sind Jugendliche und junge Erwachsene. Ich bin mir sicher, dass auch du in deinem Umfeld entweder Menschen hast die damit zu kämpfen haben, oder vielleicht auch einige bei denen du weißt, dass sie sich gerade nicht am hellsten Ort in ihrem Leben befinden. Vielleicht hast du Angst sie darauf anzusprechen, weißt nicht wirklich wie du dich verhalten sollst, es ist dir unangenehm, du könntest ja auch falsch liegen. Oder du selbst bist gerade in einer Phase in deinem Leben in der es dir nicht gut geht. In der die schlechten Gedanken Überhand haben, du Ausreden suchst um deine Freunde nicht zu treffen. Auf der heimischen Couch in eine Decke gehüllt ist alles so viel einfacher. Du musst nichts erklären, keine Fragen beantworten, nicht so tun als ob du glücklich bist, kannst das falsche, strahlende Lachen in der Schublade lassen.

Pinocchio wäre stolz auf dich

Glaub mir, ich kenn das. Alles. Viele Jahren habe ich zusehen müssen wie ein von mir über alles geliebter Mensch von dieser Krankheit regelrecht aufgefressen wurde. Es geht schleichend. Man übersieht die ersten Anzeichen zu leicht. Findet immer wieder Entschuldigungen. Und wenn es dann klar ist, tust du alles. Du denkst, wenn du nur hart genug kämpfst, kämpfst für den anderen, wird alles irgendwann wieder gut. Dann wird es am Ende ein Happy End geben. Und während du kämpfst, nach Auswegen suchst, nach Ansätzen, Lösungen, einer Rettung, merkst du nicht wie du selbst ganz schleichend denselben Weg gehst. Dein Lachen sitzt genau da wo es hingehört, du funktionierst, fast schon zu perfekt. Und deine Ausreden und Entschuldigungen hast du an irgendeinem Punkt so perfektioniert, dass selbst Pinocchio stolz auf dich wäre. Ja, glaub mir, ich weiß wie das ist.

Es gibt kein Rezept

Ich kann dir kein Rezept an die Hand geben wie man diesem Monster Einhalt gebietet. Es wandelt seine Form so oft, tritt in den unterschiedlichsten Maskeraden auf. Aber eins kann ich dir sagen: Reden hilft! Ich selbst hatte das große Glück, dass eine Freundin keine Scheu hatte mich offen zu konfrontieren. Sie ist über ihren – sicher großen – Schatten gesprungen und hat mich wie man so schön sagt „auf den Pott“ gesetzt. Und ich bin ihr noch heute unfassbar dankbar dafür. Es hat lange gedauert, ich habe alles abgestritten, doch sie war hartnäckig. Bis zu dem Tag, an dem auch ich endlich zu reden bereit war.

Mein Vater hat seinen Kampf verloren. Und ich lebe bis heute mit diesen Fragen. Hätte ich mehr tun können? War ich vielleicht nicht hartnäckig genug? Keine gute Tochter, so dass er nicht hierbleiben wollte, bei mir, bei uns? Mein Kopf weiß, dass diese Fragen müßig sind. Das wir alle, alles getan haben was in unserer Macht stand. Aber der Bauch, das Herz… ich glaube ich muss einfach hoffen, dass all dies Fragen irgendwann verblassen. Denn gehen werden sie denke ich nie.

Reden ist Wichtig!

Meine Bitte an dich ist, rede! Mit deinen Freunden, mit der Familie, mit dir. Und scheu dich nicht Hilfe anzunehmen. Es gibt viele Anlaufstellen bei denen du für dich oder Menschen die dir lieb sind Hilfe oder einfach nur Rat holen kannst – auch anonym. Eine wunderbare Organisation ist zum Beispiel „Freunde fürs Leben“. Hier findest du Rat, Hilfe oder einfach nur Informationen. Denn nur wenn dieses Thema endlich enttabuisiert wird, ihm der Makel genommen wird, können wir diesen Kampf gewinnen. Wir reden hier über eine Krankheit. Eine Krankheit, die ständig ihr Gewand wechselt, die immer andere Signale sendet. Die mal schleichend kommt und mal mit Paukenschlag. Aber wie auch immer: Es ist nichts wofür irgendjemand – auch Du – dich schämen musst!

Um genau dafür ein Bewusstsein zu entwickeln, zu reden, dem Kind einen Namen zu geben, um ihm den Schrecken zu nehmen, habe ich in den letzten Jahren zweimal all meinen Mut zusammen genommen um darüber zu reden. Beide Links findest du in diesem BLOG, vielleicht hilft es dir eigene Worte zu finden.

Heute ist Freitag. Am Sonntag soll die Sonne in Hamburg scheinen. Ich habe mir viele schöne Dinge mit mir lieben Menschen vorgenommen. Und ich werde in der Sonne sitzen und ein großes Eis für dich mitessen. Miss you Dad.

eure nova

...wem gefällt was er liest, darf gerne teilen 🙂 - Danke!Print this pagePin on PinterestShare on FacebookShare on Google+Tweet about this on Twitter

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7 thoughts on “Always Daddys Girl… Depression – Lets talk!

  1. Nova,
    bitte kontaktier mich zu diesem Thema! oder irgendjemand aus Deinem Team!
    „Es gibt kein Rezept“ ? …das stimmt so nicht ganz, und „reden ist wichtig“… ja absolut, aber noch wichtiger ist Licht in die Thematik zu bringen. Der Zufall und Hartnäckigkeit haben mir geholfen Entdeckungen zu machen, die so noch nie erwähnt worden sind!!!! ich bin auf etwas gestossen, worauf alle Betroffenen ein Recht haben zu wissen. Infos die öffentlich gemacht werden müssen!

  2. Hallo Nova,

    Ich wünsche Dir von Herzen alles Gute und ein schönes Wochenende.
    Falls Du mal jemanden zum Reden brauchst, wäre ich gerne für Dich da. SG Maik

  3. Hallo Nova…Seit ich Dich im Bar-Talk gesehen habe, mache ich mir meine Gedanken über diese Krankheit. Natürlich ist es als Außenstehender und nicht Betroffener sehr schwer zu verstehen. Als Fan von Freunde fürs Leben verfolge ich auch Hinweise auf Literatur oder Artikel wie zum Beispiel im Stern (Nr.13). Natürlich ist das Thema Depression kein Bericht den man überfliegen kann um ihn dann abzuharken.Ein Satz hat mich betroffen gemacht…Menschen die an Krebs und Depression erkrankt sind sagen…die Depression ist schlimmer. Ich bin der Organisation Freunde fürs Leben und natürlich Dir dankbar für immer wieder Aufklärung. Bei allen Gedanken an Deinen Vater…wünsche ich Dir trotzdem einen schönen Sonntag…Kopf hoch und GLÜCK AUF

  4. „Das Leben ist ein mieser Betrüger!“ Es ist schwierig den Kopf über Wasser zu halten, wenn man psychische Probleme hat oder Eltern, Geschwister oder Partner betroffen sind. Man hat das Gefühl, das Gewicht an den Beinen wird immer schwerer und es zieht einem selbst in die Tiefe. Man strampelt immer mehr und versucht sich und den anderen über Wasser zu halten.
    Dein Foto zeigt genau den Ausschnitt, den ich beruflich täglich aufmerksam beobachte. Nur die Augen lassen einen Blick ins Seelenleben zu. Meist nur für den Bruchteil einer Sekunde!
    Beruflich komme ich damit recht gut zurecht. Man ist ja schließlich „professionell“. Im Privaten sieht es anders aus, denn wenn du Probleme ansprichst, dann bist du nicht einfühlsam, gemein, direkt, ungerecht,….
    Aber ich muss täglich in die Augen der Kinder und Jugendlichen schauen, die Angst um oder vor ihre Liebsten haben.
    Und zum Schluss: Man darf auch nie vergessen, morgens beim Zähneputzen in die Augen im Spiegel zu schauen. Wenn man das nicht mehr kann oder versucht sie zu belügen, dann…

  5. Danke für den persönlichen, sehr offenen Text, Nova. Hab ab und an auch mit Depressionen zu kämpfen. Deshalb fühl ich sehr mit dir mit. Mit Sport hole ich mir viel Positives in den Alltag und das gibt mir persönlich zusätzlich Kraft. LG Heiko

  6. Hallo Nova!
    Ein sehr interessanter und nützlicher Post. Bin selbst betroffen von diesem „Monster“ und mir fällt es wahnsinnig schwer darüber zu sprechen. Werde mir aber mal die Links anschauen, vielleicht ist ja etwas dabei, was hilft.
    All das, was du beschrieben hast, kommt mir sehr bekannt vor.
    Danke fürs posten.
    Liebe Grüße nach Hamburg und ein schönes Wochenende…
    Michael

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